Freitag, 17. September 2021

World of Wong Kar-Wai im DAS KINO

Wong Kar-Wai: Ein Versprechen muss man halten 😀


Als mein Sohn und ich im Programmheft des DAS KINO entdeckten, dass es eine Retrospektive der Filme von Wong Kar-Wai der Jahre 1989 bis 2004 gibt, war uns klar, dass wir sie uns anschauen werden.

Programmhft Seite 17


Mir sagte zunächst der Name dieses Hongkong-Regisseurs nichts (was sich jedoch rasch änderte), aber vor etlichen Jahren haben mein Sohn und ich uns mit Begeisterung mehrere Filme des Hongkong-Regisseurs John Woo angesehen: "A Better Tomorrow", "Hard Boiled", "The Killer", um nur einige zu nennen.

As Tears Go By, 1988
In Wong Kar-Wais Spielfilmdebüt wird sowohl eine Gangster- wie auch Liebesgeschichte erzählt: Ah Wah (Andy Lau) ist Kleinkrimineller, der den jungen Fly (Jackie Cheung) unter seine Fittiche genommen hat. Fly möchte so cool wie Ah Wah werden, bringt sich aber durch seine Großmäuligkeit immer in neue Schwierigkeiten, aus denen ihm Ah Wah ständig helfen muss.
Als sich Ah Wah in seine Cousine (Meggie Cheung) verliebt, die für ein paar Tage bei ihm wohnt, glaubt er an ein gutes Ende. Aber Fly ist in den allergrößten Schlamassel geraten und bittet Ah Wah wieder um Hilfe. Damit beginnt das Verhängnis...

In diesem Film gibt es viele Gewaltszenen. Anders als bei John Woo, dessen Gewaltszenen wie ästhetisch choreografiertes Ballett wirken, empfand ich sie bei Wong Kar-Wai einfach nur als brutal. Ich war direkt, ehrlich gesagt, ein bisschen erschrocken und befürchtete, dass auch die anderen Filme so sind - aber meine Sorge war unbegründet.

Days of Being Wild, 1990
York (Leslie Cheung) ist ein Playboy, dem nur daran liegt, Mädchen zu erobern und dann ihr Herz zu brechen. Seine erste Romanze ist mit Li-zhen (Maggie Cheung). Auf ihre Frage hin, ob er sie liebt, erwidert York herzlos, dass er noch viele Mädchen kennenlernen wird und erst am Ende weiß, welche er geliebt hat. Darauf folgt gleich seine nächste Beziehung mit Mimi, einer Cabaret-Tänzerin (Corina Lau).
Gleichzeitig erfahren wir, dass York ein sehr gespaltenes Verhältnis zu seiner Adoptivmutter (Rebecca Pan) hat, einer früheren Prostituierten. Er ist davon besessen, seine biologische Mutter zu finden und das führt ihn auf die Philippinen...
Ab diesem Film (der 1. Teil einer inoffiziellen Trilogie, zusammen mit In the Mood for Love und 2046) arbeitet Wong Kar-Wai mit dem australischen Kameramann Christopher Doyle zusammen. Doyle liefert eine großartige und außergewöhnliche Bildersprache in atemberaubenden Sequenzen, die, zusammen mit dem Soundtrack, genau unterstützt, was Wong Kar-Wai dem Zuschauer vermitteln will.

Chungking Express, 1994
Der Film erzählt von Liebe, Verlust, Erinnerung und dem Willen, sich wieder neu zu verlieben: Zwei Polizisten (Takeshi Kaneshiro als Cop 223 und Tony Leung Chiu-Wai als Cop 663) begegnet die große Liebe. Während Cop 223 seine für immer verliert, findet Cop 663 nach dem Ende seiner Beziehung zu einer Flugbegleiterin eine neue. Aber wird sie auch Erfüllung finden ? Eine wichtige Rolle spielt dabei
ein Schnellimbiss.
Der Film ist zauberhaft, voller Ideen und es gibt viel zu lachen. Trotzdem ist es eine bitter-süße Geschichte. Quentin Tarantino war so gerührt von diesem Film, dass er ihn in die westlichen Kinos brachte, so dass Wong Kar-Wai  bei uns auch bekannt wurde und Kultstatus erreichte.

Fallen Angels, 1995
Seit längerem arbeitet "Agentin" (Michelle Reis) für "Killer" (Leon Lai). Sie kennen sich nicht, aber sie reinigt sein Apartment, verwischt seine Spuren und schickt ihm Nachrichten, wen er töten soll. Längst ist sie in ihn verliebt. Als "Killer" aussteigen möchte, bittet sie ihn um einen letzten Gefallen....Wie auch in As Tears Go By endet das in einem Drama.

Happy Together, 1997
Lai (Tony Leung Chiu-Wai) und Ho (Leslie Cheung) verlassen gemeinsam Hongkong und reisen nach Argentien. Sie hoffen, dort ihre Homosexualität ausleben zu können. Aber Ho verlässt Lai und prostituiert sich. Lai hingegen arbeitet als Türsteher und freundet sich mit Chang (Chang chen) an, der aber bald Argentinien verlässt. Nach gewaltvollen Eskapaden kehrt Ho zu Lai zurück, aber die Liebe zwischen ihnen ist nicht mehr zu retten. Ho bleibt in Argentinien, während Lai nach Hongkong zurück- kehrt, über einen Zwischenstopp in Taipeh, wo er Chang zu finden hofft.
Mit dem Thema Homosexualität hat Wong Kar-Wai meiner Meinung nach viel Mut bewiesen. Und es gibt eine Szene/Kameraeinstellung in dem Film, die die große Einsamkeit Menschen mit dieser Veranlagung zeigt, selbst zwischen diesen beiden miteinander verbundenen Männern: Ihr altes Auto hat den Geist aufgegeben, sie stehen, ohne miteinander zu sprechen, an einer langen Straße, in der Hoffnung, dass ein Auto vorbeikommt. Aber die Straße bleibt leer, hinter ihnen ist das Nichts und gegenüber der Straße eine riesige Einöde.

In the Mood for Love, 2000

Programmheft Seite 18


 Der Film spielt im Hongkong der 1960iger Jahre. Der Zeitungsredakteur Chow (Tony Leung Chiu-Wai) bezieht mit seiner Ehefrau eine Wohnung im Haus der Shanghai-Community. Nebenan zieht Li-zhen (Maggie Cheung) mit ihrem Mann ein. Sie werden gute Nachbarn und Freunde, müssen aber eines Tages feststellen, dass sie von ihren Ehepartnern betrogen werden. Damit setzt sich eine gefährliche Spirale an Wirrungen in Gang, zumal sich Chow in Li-zhen verliebt hat. Aber liebt ihn auch Li-zhen und wenn ja, genug, um ihren Mann zu verlassen ?

Man käme nie auf den Gedanken, dass es kein Drehbuch zu dem Film gab: "Ein faszinierender, formvollendeter Film, der ein höchst differenziertes Bild seelischer Befindlichkeiten zeichnet" (Zitat aus Lexikon des internationalen Films)

2046, 2004
Hongkong 1966: Chow (Tony Leung Chiu-Wai) hat sich in das Hotelzimmer 2046 zurückgezogen und arbeitet an einem Science-Fiction Roman. Je weiter er sich in die Zukunft schreibt, desto intensiver werden seine Erinnerungen an die Frauen, die in seinem Leben Bedeutung hatten, vor allem an seine große Liebe, die unerfüllt geblieben ist.
Die Zimmernummer 2046 spielt bereits in In the Mood for Love eine Rolle. In 2046 heißt es, wer einmal dieses Zimmer betreten hat, kommt nie wieder heraus.

Natürlich sind Wong Kar-Wais Filme wesentlich vielschichtiger, als ich es hier in diesen kurzen Inhaltsbeschreibungen wiedergeben kann. Gezeigt wurden die Filme in der Originalsprache mit deutschen Untertiteln. 

In allen Filmen der Retrospektive spürt man die Liebe Wong Kar-Wais zu Hongkong. Aber er zeigt uns nicht die glitzernde und reiche Stadt, wie wir sie im Westen zur britischen Kolonialzeit kennen, sondern Wong Kar-Wai führt uns zu den Menschen am Rande der Gesellschaft, die in schäbigen Wohnungen hausen, zu ihren zerplatzten Hoffnungen, vertanen Leben, ihrer unerfüllten Liebe, ihrer Unfähigkeit, über ihre wahren Gefühle zu sprechen - und trotzdem machen sie immer weiter. Über allem liegt ein Hauch von Melancholie, verstärkt durch Symbole wie große Uhren und prasselnden Regen.
Die Filme hallen in mir nach, beschäftigen mich....zu meinen Favoriten zählen Happy Together, In the Mood for Love und natürlich Chungking Express (letzteren werde ich mir kaufen).


Es war, zusammen mit Theater im Kino, ein wunderbarer Kino-Sommer !!!! Und zu guter Letzt noch ein Geständnis: Zu John Woos Zeiten war ich von Chow Yun Fat hingerissen, jetzt bin ich es von Tony  Leung Chiu-Wai 😍



 






 

Mittwoch, 1. September 2021

Leckerbissen im DAS KINO....

...nein, keine kulinarischen für einen Stehempfang einer VIP-Person, sondern cineastische. In Kooperation mit DAS KINO zeigten die Salzburger Festspiele vom 26. Juli bis 21. August anlässlich des 100jährigen Bestehens der Festspiele unter dem Titel "Theater im Kino" Filme der Jahre 1920 bis 1937 zu Ehren von Max Reinhardt.


Jeder weiß um die Bedeutung Max Reinhardts für Salzburg und seiner eigenen Verbundenheit mit der Stadt. Verbunden war er aber auch mit der Schauspielerfamilie Thimig, da er mit Helene Thimig verheiratet war. 


                                         

 Das Program umfasst deshalb Filme des Reinhardt Ensembles und der Thimig Dynastie.

Ein glücklicher Zufall ließ meinen Sohn und mich das Booklet entdecken und da wir alte Filme sehr mögen, war uns sofort klar, dass wir uns so viele Filme, wie zeitlich möglich, anschauen werden. Ich persönlich liebe den Moment, wenn es im Saal dunkel wird und der Film startet, ein dunkles Rechteck mit vielen weißen, tanzenden Punkten und leisem Rauschen.

Gemeinsam haben wir uns angesehen:

Scherben 1921, Regie : Lupu Pick, mit Werner Krauß, Edith Posca, am Piano Maud Nelissen

Die Verrufenen 1925, Regie: Gerhard Lamprecht, mit Frida Richard, Elektronische Musik mit Inou Ki Endo (Shilla Strelka)

1914, die letzten Tage vor dem Weltbrand 1930, Regie: Richard Oswald, mit Oskar Homolka, Heinrich George, Hans Peppler, Ferdinand Hart

Unsichtbare Gegner 1933, Regie: Rudolf Katscher, mit Paul Hartmann, Oskar Homolka

Geld auf der Straße 1930, Regie: Georg Jacoby, mit Hugo und Hans Thimig

Die große Liebe 1931, Regie: Otto Preminger, mit Hugo Thimig

Mensch ohne Namen 1932, Regie: Gustav Ucicky, mit Helene Thimig

Tanzmusik 1935, Regie: Johann Alexander Hübler-Kahla, mit Hans und Hermann Thimig

Brüderlein fein 1942, Regie Hans Thimig, mit Hermann Thimig

Die kluge Marianne 1943, Regie: Hans Thimig, mit Hermann Thimig

Zu jedem Film gab Kurator Olaf Möller eine Einführung, informativ und launig zugleich.

Zu meinen Favoriten zählen von den zehn gesehenen Filme aus unterschiedlichen Gründen die folgenden sieben:

Scherben
Erzählt wird die Geschichte einer Bahnwärterfamilie kammerspielartig: Vater, Mutter und Tochter leben ihren gewohnten Alltag. Das Auftauchen eines Inspektors, einquartiert in ihrem kleinen Häuschen, führt jedoch innerhalb kürzester Zeit zum Zerfall der Familie.
Dieser Film kommt ohne jede Worteinblendung aus, erst ganz zum Schluss sagt der verzweifelte Vater : "Ich bin ein Mörder".

Scherben, Booklet S. 17 oben
 

Die Verrufenen
Für zwei, aus dem Gefängnis entlassenen Männer, teilen sich ihre Lebenswege: Einer wird
wieder zum Gauner, der er auch vorher war, der andere - Robert Kramer - will wieder ehrbar werden. Gespielt wird Robert Kramer mit grosser Intensität von Bernhard Goetzke.
Ich kannte diesen Schauspieler nicht, aber ich fand ihn so bemerkenswert, dass es mir wichtig war, seinen Namen zu erfahren.

Leider konnte ich nur diese zwei Stummfilme sehen. Für mich sind gerade diese Filme, in denen hauptsächlich nur über Gestik und Mimik dem Zuschauer die Geschichte erzählt wird, Kunst !

1914, die letzten Tage vor dem Weltbrand
Hier geht es nicht um das Attentat von Sarajewo, sondern hochinteressant um die Zeit danach, in der die Staatsherrscher darüber verhandeln, ob es Krieg geben soll oder nicht (erschreckend die Wankelmütigkeit und Beeinflussbarkeit des Zaren Nikolaus II.), um das Zerbrechen bestehender Bündnisse, nicht eingehaltener Versprechen, Alleingänge und letztendlich zur Kriegserklärung an Serbien durch Kaiser Franz Joseph.
Mich hat der Film zu Jean Jaurès geführt, dem Mann, der sich vehement gegen einen Krieg bis zur letzten Minute ausgesprochen hat und dafür ermordet wurde. Ich wollte gerne mehr über ihn erfahren und habe mir das Buch von Jost Meyen "Jean Jaurès, Ein Leben für den Frieden" gekauft - und gleich gelesen.

Unsichtbare Gegner
Die Quellen der Amazonas Oil Company sind versiegt, aber ihr Besitzer versucht, seine Firma mittels eines veralteten Gutachtens noch teuer zu verkaufen.
Ein spannender Krimi nach dem Motto "Schau, wem trau - am besten traue niemandem". In den Hauptrollen Paul Hartmann als Gutmensch und Oskar Homolka als Bösewicht, so brillant und präsent, dass man gerne seine Gangsterbraut sein möchte !

Geld auf der Straße
Einfach eine Wohlfühlkomödie mit durchweg spritzigen Dialogen und viel Anlass zum Lachen. Im Mittelpunkt steht Georg Alexander als ewig pleiter Lebenskünstler, dabei so charmant, dass man ihm nicht böse sein kann. Dank seiner Schlitzohrigkeit bringt er es letztendlich zum Millionär und zur Verlobung mit der Bankierstochter Dodo, die eigentlich nach dem Wunsch des Vaters einen anderen Mann heiraten sollte.

Dieser Film wurde liebevoll aus zusammengetragenen Teilen restauriert - manchmal tauchen polnische Texteinblendungen auf. Einige der alten Filme kann man kaufen, diesen leider nicht. Dabei würde ich ihn mir sehr gerne nochmals anschauen...

Die große Liebe
Mutter Frieda ist sich auch nach zehn Jahren sicher, dass ihr Sohn Franz nach dem Krieg heimkehren wird. Eines Tages entdeckt sie in der Zeitung das Foto eines namenlosen Mannes, der ein Kind aus dem Fluss gerettet hat: das ist ihr Franz ! Sie setzt alle Hebel in Bewegung, um seinen Aufenthaltsort zu erfahren und findet ihn schließlich in der Einrichtung für wohnungslose Spätheimkehrer. In einer Runde sitzen mehrere Männer zusammen, einer spielt Akkordeon und alle singen. 
Die Szene, die sich beim Eintreten von Mutter Frieda abspielt, fand ich sehr anrührend: Alle Männer verstummen und schauen zu, wie Mutter Frieda ihren Franz umarmt und gar nicht loslassen will. Als beide gegangen sind, will der Akkordeonspieler die vorherige Stimmung wieder aufleben lassen, aber es gelingt ihm nicht. Nach ein paar Tönen gibt er auf, denn in allen Gesichtern der Männer zeigt sich Hoffnungslosigkeit und Trauer, denn keiner wartet auf sie.

Mutter Frieda tut alles für ihren Franz, von dem wir als Zuschauer bereits wissen, dass er nicht ihr Sohn ist. Als sich Franz in die Tochter des Taxiunternehmers verliebt, gesteht er ihr alles, bittet sie aber, Mutter Frieda nichts davon zu erzählen. Er will sie nicht verletzen, aber ich fragte mich, entschuldigt das diese Lebenslüge ? Die Frage wird mir am Schluss des Filmes beantwortet: Mutter Frieda sagt zu ihrer Nachbarin: "Du darfst es ihm nie erzählen, aber ich weiß, dass er nicht mein Franz ist. Aber ich liebe ihn!"

Damit war ich aber nicht zufrieden: Zwei Menschen mit je einem solchen Geheimnis und in meiner Phantasie malte ich mir aus, wie am Sterbebett von Mutter Frieda die große Aussprache kommt....

Die große Liebe, Booklet S. 21 oben

Mensch ohne Namen
Auch hier wird das Thema Kriegsheimkehrer aufgegriffen: Ein Soldat in der Uniform des deutschen Kaiserreichs wird schwer verletzt und ohne Papiere auf einem russischen Schlachtfeld aufgefunden und im Lazarett gesund gepflegt. Aber er hat sein Gedächtnis verloren. So bleibt er in der Sowjetunion, hat Arbeit und führt ein ruhiges Leben - bis ihm eines Tages eine deutschsprachige Zeitung in die Hände fällt und sein Gedächtnis schlagartig wiederkehrt: Er ist Deutscher, heißt Heinrich Martin, hat eine Frau und Tochter und zudem ist er Besitzer eines großen Werkes. Aufgewühlt fährt er nach Deutschland, aber niemand glaubt ihm, dass er Heinrich Martin ist. Seine Frau hat ihn für tot erklären lassen, ist wieder verheiratet und seine Tochter sagt zum Stiefvater Papa.
Der Film zeigt den ganzen behördlichen Irrsinn und die Unmöglichkeit auf, aus einem Toten wieder einen Lebenden zu machen. Die Sache geht bis vor das Gericht und letztendlich wird er gezwungen, einen neuen Namen anzunehmen, damit er Papiere erhält. Ich kann nur mit  dem Kopf schütteln !
Als Zuschauer glauben wir zuerst, dass er wirklich Heinrich Martin ist, aber je weiter die Handlung fortschreitet, kommen uns Zweifel, ob er nicht doch ein Betrüger ist - wir erfahren nicht die Wahrheit. Es gibt eine Szene, in der er sich im Spiegel anschaut und sagt: "Mich erkennt ja niemand mehr." Im Nachhinein fragte ich mich, hat er das voller Trauer oder Genugtuung gesagt ?

Mensch ohne Namen, Booklet S. 21 unten

Die Gelegenheit, all die alten Filme anschauen zu können, hat uns viel Freude gemacht und wir waren direkt ein bißchen wehmütig, als es zu Ende war....

Booklet S. 6: Hermann, Helene und Hugo Thimig mit Max Reinhardt

ABER: DAS KINO hielt in dieser Zeit noch ein weiteres Schmankerl bereit: Eine Retrospektive derWong Kar-Wai Filme 1988 bis 2004. Diese haben wir uns auch angeschaut - natürlich - und deshalb: Fortsetzung folgt !



 

 

 

 

 





Mittwoch, 29. April 2020

Frei nach Loriot: Ein Buch ! Ein Buch !


Der Titel ist - wenn auch nur eine geringfügige - Untertreibung,  denn ich möchte vier sehr unterschiedliche Bücher, die in letzten Zeit zu meiner Sammlung hinzukamen, vorstellen. Wir haben jetzt mehr Lockerungen, aber nach wie vor die Corona-Krise und daheim bleiben ist immer noch eine gute Option! Und uns verbleibt Muße zum Lesen....


Mein Sohn war Anfang des Jahres in Amerika und hat mir Dropped Names von Frank Langella mitgebracht, da er weiß, wie sehr ich diesen Schauspieler mag. Ich habe Frank Langella - leider - erst sehr spät entdeckt, und zwar in dem Film Frost/Nixon. Wie dieser Mann mit seinen Augen eine ganze Skala von Empfindungen ausdrückt - ich wurde sofort sein Fan ! Geboren wurde Langella 1938 in Bayonne, New Jersey, und hat eine lange Schauspielkarriere. In seinem Buch erzählt er von Begegnungen mit (65) berühmten Menschen.
Seine erste Begegnung war die mit Marilyn Monroe: Er ist fünfzehn Jahre alt und fährt heimlich nach New York. Dafür hat er lange gespart und ihm bleibt nur ein Tag. In New York wandert er den Times Square entlang, ohne zu wissen, wonach er sucht. Spät am Nachmittag macht er sich tief enttäuscht auf den Rückweg zum Flughafen. Plötzlich kommt aus einer Seitenstraße eine schwarze Limousine auf ihn zu und ihr entsteigt Marilyn Monroe.  Sie sieht ihn dort stehen, blickt ihn an und sagt mit sanftem Flüstern "Hi". Dieses "Hi" befreit ihn von dem Gefühl, nichtssagend und in seinem kleinen Heimatort wie in einem Gefängnis zu sein. "One was enough. Lightning had struck."

Billie Burke verbrachte die letzten Jahre ihrer Karriere damit, die Schulden ihres Ehemannes Florenz Ziegfeld zu begleichen. So stand sie 1956 mit zweiundsiebzig Jahren in der Komödie The Solid Gold Cadillac auf der Bühne und Frank Langella ergatterte zwei kleine Rollen. Die erste Rolle war die eines Reporters, der eine Kamera hält. Seine zweite bestand darin, Billie Burke beim Schlußapplaus als Solid Gold Chauffeur auf die Bühne zu begleiten und sich dann hinter den Vorhang zurückzuziehen. Alles an ihm war golden, selbst sein Gesicht. Von Vorstellung zu Vorstellung wurde sein Rückzug kürzer und bei der allerletzten Vorstellung, während das Publikum enthusiastisch applaudierte, blieb er einfach neben Billie Burke stehen, nahm ihre Hand und führte sie dann von der Bühne. Sie drehte sich zu ihm um, schaute ihn an und sagte:  "Mustn´t be greedy, dear. Your time will come."
Ich liebe dieses Buch sehr, lese mit Genuss die Episoden und bin berührt davon, wie Langalla seine Begegnungen beschreibt: da gibt es herzerwärmende, traurige, lustige, kritische, ablehnende - und
immer ist er selbstironisch.
(Das Buch gibt es auch bei uns zu kaufen)


Mit Freefall ist Jessica Barry ein bemerkenswert aussergewöhnlicher Debütroman gelungen:

Die dreißigjährige Ally überlebt einen Flugzeugabsturz in den Rocky Mountains. Völlig alleine kämpft sie sich durch unwegsames, menschenfeindliches Gebiet. Sie wird jedoch verfolgt von jemandem, der ihr nichts Gutes will.
Allys Mutter erhält die Nachricht, dass ihre Tochter tot ist, die Leiche aber nicht gefunden wurde. Das lässt sie hoffen, dass ihre Tochter noch lebt. Da sie seit Jahren keinen Kontakt zu ihr hatte, versucht sie, alles über Ally in dieser Zeit des Schweigens herauszufinden. Aber nichts davon, was sie erfährt, gefällt ihr...
 Ich verspreche mit diesem Thriller atemlose Spannung, man muss immer weiter und weiter lesen - ein echter Pageturner !




Achtung !! Dieses Buch hat Sogwirkung !!

Bei dem Versuch einer Inhaltsangabe stelle ich fest, dass sich die Vielschichtigkeit dieses Buches
sehr schwer wiedergeben lässt. Deshalb übernehme ich zunächst den Klappentext:
"Der junge Arzt Norton Perina kehrt mit einer unfassbaren Entdeckung von der Insel Ivu´ivu zurück: Hat er wirklich ein Mittel gegen die Sterblichkeit gefunden? Eine uralte Schildkrötenart soll das Geheimnis des ewigen Lebens in sich tragen.
So kometenhaft Perina damit zur Spitze der Wissenschaft aufsteigt, so rasant vollzieht sich die Kolonisierung und Zerstörung der Insel. Mit gnadenloser Verführungskraft zieht Hanya Yanagihara uns hinein in den Forscherrausch im Urwald und lässt uns auch dann nicht entkommen, als Perina dort eine weitere Entdeckung macht: seine fatale Liebe zu Kindern. Wie betrachten wir eine Lebensleistung, wenn sich das Genie als Monster entpuppt? Das ist die Frage in diesem brillant geschriebenen, gefährlichen Dschungel von einem Roman."

Damit ist eigentlich alles gesagt, aber doch zu wenig, was die Faszination dieses Romans ausmacht: Es geht um ein Geflecht von Forschergeist, Anthropologie, Grausamkeiten im Namen der Wissenschaft, Jagd nach Ruhm, menschlichem Fehlverhalten, Freundschaft, Feindschaft und unangemessener Liebe.

Zu erwähnen ist noch, dass das Buch viele Fußnoten enthält und man oft in Versuchung ist, das Angegebene zu überprüfen. Hier ein ganz kurzes Beispiel:
S. 139, 25 Die Opa´ivu`eke ist bis heute die einzige verzeichnete Schildkröte, die dauerhaft sowohl in Süß- als auch in Salzwasser leben kann.



Ich habe schon einmal erwähnt, dass ich zwischendurch auch gerne gelegentlich Jugendbücher lese und so schaue ich in den Buchhandlungen auch immer über das Angebot an Jugendliteratur hin. Tausend Mal Schon von Marah Woolf ist mir durch die Aufmachung aufgefallen: lila Seitenkanten mit Libellen




Die Geschichte: Die achtzehnjährige Sasha stammt aus einer Magierfamilie, will aber ihre Gabe nicht annehmen. Als sie nach dem Tod ihrer Eltern zur Großmutter auf die abgeschiedene Insel Alderney kommt, ist das zunächst auch ganz einfach. Doch dann tritt Cedric de Gray in ihr Leben. Er rettet sie vor dem Ertrinken und vor dem Seelenfänger Lazarus Rimmon, der es durch viele Leben hindurch auf ihre Seele abgesehen hat. Für Cedric ist es sein tausendstes und als Verfluchter letztes Leben. Sasha verliebt sich in ihn und sucht verzweifelt nach einem Weg, seine Seele und damit ihn zu retten. Dafür muss sie jedoch ihre magische Begabung annehmen.
Aber gelingt es ihr? Nur so viel sei verraten, das Ende ruft nach einer Fortsetzung.

Das Buch ist eine Mischung aus Mysterie, Phantasie, Liebesgeschichte und Krimi. Es liest sich leicht wie Urlaubslektüre, aber wenn man genauer hinschaut, lässt sich einiges aus dem Magischen lösen und in das reale Leben übertragen: beispielsweise, indem man Lazarus als faustisches Element sieht.





Eigentlich ist meine Zeit, als ich Hesse mit Hingabe las, schon länger vorbei. Aber in Tausend Mal Schon ist vorab ein wunderbares Gedicht von Hesse aus eben diesem Band  Das Lied des Lebens. Ich besitze einige Gedichtbände und schreibe ja selbst gelegentlich Gedichte, so kaufte ich mir das Bändchen. Nun lese ich Gedicht für Gedicht und lasse jedes nachhallen. Und wenn ich weiß, ich muss irgendwo warten, ist das Büchlein in meiner Handtasche. Hier ein kurzes Gedicht von Hesse, passend zur Jahreszeit:

Frühling
In dämmrigen Grüften
Träumte ich lang
Von deinen Bäumen und blauen Lüften,
Von deinem Duft und Vogelgesang

Nun liegst du erschlossen
In Gleiß und Zier
Von Licht übergossen
Wie ein Wunder vor mir.

Du kennst mich wieder,
Du lockst mich zart
Es zittert durch alle Glieder
Deine selige Gegenwart
 



Für mich gehören zu  Büchern Lesezeichen, denn ein Eselsohr als Markierung käme niemals in Frage. Ich sammle sie mit Hingabe - hier eine kleine Auswahl.
Auf der Rückseite eines Lesezeichens steht "Lieblingsbuch"


Ich habe viele Bücher, die ich sehr mag (bis hin zu zweimal gelesen), aber dieses Lesezeichen gehört eindeutig in mein unbestrittenes Lieblingsbuch  Die Kalifornische Sinfonie von Gwen Bristow. Dieses Buch besitze ich schon seit rund fünfzig ! Jahren und ich habe es schätzungsweise bereits fünfundzwanzig Mal gelesen. Manchmal von Anfang bis Ende, manchmal ab einer bestimmten Stelle.

Passt weiterhin gut auf euch auf, bleibt achtsam - und vor allem gesund!







Sonntag, 5. April 2020

Ich bin wieder da....

...nach fast einem Jahr Schweigen....
Zunächst war 2019 angefüllt mit Tiefpunkten: in München starb im Frühjahr eine liebe Freundin nach zwei Jahren Kampf an Krebs. Diese Freundin war der großherzigste Mensch, den ich kenne. Selbst als es ihr immer schlechter ging, kümmerte sie sich noch um andere. Ich denke oft an sie und vermisse sie.
Nach ihrem Tod brauchte ein mir sehr, sehr nahestehender Mensch, der durch den Verlust direkt betroffen war, meinen Beistand, den ich ihm selbstverständlich von Herzen gerne gab.
Im Herbst erwischte mich eine starke Erkältung und ich hatte über einen langen Zeitraum hin scheußliche Hustenanfälle. Glücklicherweise sind sie inzwischen verschwunden.
In der zweiten Jahreshälfte gab es aber auch Höhepunkte: im Oktober wieder hier Jazz & The City

Cover des Booklets
  und mein Sohn, seine Freundin und ich (immer noch mit Hustenanfällen und ausgerüstet mit diversen Sprays, Hustenbonbons und Trinkflasche)  hörten uns viele großartige Konzerte an verschiedenen Spielorten an. Ein besonderer Spielort war die Werkstatt des Schirmmachers (ja, es gibt wirklich hier in Salzburg einen Schirmmacher) in der Getreidegasse.

Foto aus dem Booklet


Und im November Herbie Hancock im Gasteig in München. Die Karten für meine Tochter, meinen Sohn und mich waren längst gekauft und man denkt, bis November ist es noch so lange hin, hoffentlich kommt nichts dazwischen und auf einmal - zack - ist es soweit. Zu dem Konzert lässt sich nichts anderes sagen als: großartig, großartig, großartig !



An Silvester hat sich wohl jeder gewünscht, dass 2020 ein gutes Jahr wird. Für uns ließ es sich auch zunächst gut an, denn das Corona-Virus im fernen China schien weit weg und es war unvorstellbar, dass es nach Europa schwappen könnte.
Anfang Januar waren mein Sohn und ich noch ohne jede Bedenken zum Shoppen in München und in der ersten Märzwoche erneut, aber schon vor- und umsichtiger. Shoppen bedeutet für uns übrigens: CDs, Filme, Bücher, also Müller im Tal, Hugendubel am Marienplatz und Saturn in der Kaufinger Straße.
Zuvor hatten wir uns im Das Kino in der Matinee die Doku über Miles Davis angeschaut und als wir in München waren, konnte ich nicht widerstehen, mir die LP mit seiner Musik zu dem Film "Fahrstuhl zum Schafott" zu kaufen.

Foto aus Kinoprogramm

Cover der LP

Kurz danach änderte sich alles, denn das Corona-Virus breitete sich rasant aus, erreichte Europa und hält inzwischen die ganze Welt in eisernem Griff. Was das bedeutet, brauche ich nicht auszuführen, wir alle wissen durch die Medien Bescheid. Es ist vernünftig, sich an die von der Regierung erlassenen Vorschriften zu halten, auch wenn es nicht in jedem Punkt leicht fällt. Am schwersten ist, dass wir uns nicht mit unseren Lieben und Freunden treffen können, aber wir haben die Möglichkeit, über Handy und Computer Kontakt zu halten. Ich verbringe meine Tage daheim (abgesehen von den häuslichen Pflichten) mit Briefe schreiben (mit der Hand, da mein Drucker streikt), Musik hören, telefonieren, skypen, Kreuzworträtsel lösen, mein eingerostetes Englisch aufzubessern und natürlich lesen (ich bin ja eine Leseratte). Zudem hat mich letzte Woche eine Freundin angerufen und überredet, unseren ganz privaten, aber vor längerem abgebrochenen, Lateinkurs wieder aufzunehmen.
Erwähnen möchte ich noch, dass ich von mehreren, unerwarteten Seiten Hilfsangebote für Erledigungen bekommen habe. Auch wenn ich diese Angebote nicht annehme - ich könnte es mir nie verzeihen, dass sich diese Personen infizieren, weil sie mir helfen wollten - war es eine wunderbare Erfahrung!
Es ist eine schwierige Zeit für uns alle, aber lasst uns die Hoffnung nicht aufgeben, dass diese tiefe Krise vorbei geht und die Menschheit nicht wieder dieselben Fehler macht wie vorher. Passt auf euch auf, seid zuversichtlich, seid stark und bleibt gesund!

Donnerstag, 23. Mai 2019

Flohmarkt von Amnesty International

Wie jedes Jahr im Frühling fand auch diesmal am vergangenen Samstag der Flohmarkt von Amnesty unter den Arcaden beim Furtwänglerpark statt. Angeboten werden stets Bücher, Schallplatten, CDs und DVDs zu fairen Preisen.


Und wie jedes Jahr ging ich, zusammen mit meinem Sohn, schauen, stöbern - und natürlich kaufen. Vorsorglich hatte ich zwei Stoffbeutel eingesteckt (ich kenne mich!), die auch zum Schluß prall gefüllt waren.

Hier meine "Beute": Lesestoff und Musik für jede Stimmung








 








Flohmärkte sind etwas Wunderbares! Diesmal war ich ganz begeistert über den Fund des Buches von Pietro Citati "Schön und verdammt - Ein biographischer Essay über Zelda und F. Scott Fitzgerald" und die Box mit zwei Langspielplatten von Joseph Schmidt. Ich bin jetzt schon gespannt, welche Schätze ich bei meinem nächsten Flohmarktbesuch entdecken werde.......

Mittwoch, 1. Mai 2019

Fortsetzung Schreibwerkstatt

Wir bekamen inzwischen weitere, spannende Aufgaben gestellt:

Aufgabe: Ein Text ohne Nomen
 "Komm, lass uns spazieren gehen", sage ich zu dir und du zeigst mir, dass du dich freust. Erwartungsvoll blickst du mich an. "Warte, warte!" Ich überprüfe rasch, ob ich alles bei mir habe - nichts vergessen? Dann gehen wir los. Zuerst halte ich dich fest, damit du nicht überfahren wirst. Als grau zu grün wechselt, lasse ich dich los. Begeistert läufst du hierhin und dahin, unermüdlich, findest heraus, wer vor dir schon da gewesen ist. Zwischendurch erledigst du, was du erledigen musst und ich erledige daraufhin, was ich erledigen muss. Wir gehen und gehen und du genießt es, so frei zu sein. Schließlich ruhen wir uns aus, blau über uns, braun und ganz viel grün um uns herum.
"Wollen wir heimgehen?" frage ich dich irgendwann und du bist einverstanden, denn du weißt, morgen werde ich wieder zu dir sagen "Komm, lass uns spazieren gehen."

Nächste Aufgabe: Ein Text nur aus Wörtern mit Doppelbuchstaben
Hummel Emma sammelt Narzissen,
Libelle Antonella schwirrt ziellos,
Kaulquappen Otto, Johannes, Susanne schwappen Wasser,
Mutter Natter Kassandra brummelt: Kuddelmuddel !

Die aktuelle Aufgabe: Ein Text ohne Verben
 Mein Balkon, wie ein zusätzliches , wenn auch kleines Zimmer, Ostseite, Loggia mit einer Mittelsäule und schmaler Brüstung aus Marmor. Ein Wohlfühlort, nicht nur für mich, sondern auch für meine drei Katzen: Tommy Lee, Maya und Yukina. Vor mir, außen an der Hauswand, zwei Balkonkästen, jetzt mit bunten Stiefmütterchen, später im Sommer mit leuchtenden Geranien und Weihrauch, im Herbst mit winterharter Heide.
Links Blick zum Gaisberg. Bei schönem Wetter und guter Thermik Dutzende von Gleitschirmfliegern, wie exotische Vögel am blauen Himmel.
Rechts Blick über viele Sträucher und Bäume hinweg zum Monatsschlösschen in Hellbrunn.
Auf meinem Balkon auf der linken Seite zwei bequeme Korbsessel, in der Mitte dazwischen ein sehr altes Nachtschränkchen als Tisch. Darauf ein kleiner Bonsai und Steinbuddha. Neben einem der Sessel auf einem Blumenhocker eine Zwergtanne.
Auf der rechten Seite für die Katzen - überall Katzengitter - zwei Kratztonnen mit Sitzfläche und Kuschelhöhle. Des weiteren ein Tischchen voller Blumen und Kräuter. Unter dem Tischchen eine ausgepolsterte Kiste, der Lieblingsplatz von Tommy Lee. Daneben ein Podest, Lieblingsplatz von Maya. Yukinas Lieblingsplatz hingegen die Kratztonnen, mal die eine, mal die andere.
An der freien Wand, in einer schmalen Nische ein wunderschönes Gemälde einer jungen, begabten Freundin: drei große Schneckenhäuser in verschiedenen Gelb- und Brauntönen.
Letztendlich eine ganz besondere Pflanze, ein knorriger Weinstock im Kübel, vergangene Dekoration in einer Oper und ein Geschenk des Festspielhauses für mich, zur Zeit meiner Arbeit in der Wäscherei während der Sommerfestspiele.

Bei jeder dieser Aufgaben denkt man zuerst "wie soll bloß das gehen ???" So reden wir nicht, so schreiben wir nicht. Aber es geht und ich versichere, dieses andere Denken hat viel Spass gemacht !



 

 

Sonntag, 7. April 2019

Kino ! Kino !

Ein wunderschönes, ausführliches Booklet - meine Inhaltsangaben sind verkürzt wiedergegeben

Im Rahmen des 13. Lateinamerikanischen Filmfestivals vom 20.bis 31. März im Das Kino sahen wir - mein Sohn und ich - uns gemeinsam diese Filme an:

Mamacitá (Doku Mexiko)
spanische OF mit deutschen Untertiteln
Regie: José Pablo Estrada Torrescano (anwesend)

Mamacitá, zum Zeitpunkt der Dreharbeiten 95 Jahre alt, hat in Mexiko als junge Frau ein Schönheitsimperium aufgebaut. Sie wünscht sich nun von ihrem Enkel José Pablo einen Film über ihr Leben. Er erfüllt ihr diese Bitte und wir Zuschauer haben Anteil nicht nur an Mamacitás Alltag, sondern erfahren auch von alten Wunden Mamacitás und ihres Enkels. Zum Ende hin kann sich Mamacitá mit ihrer schwierigen Kindheit aussöhnen und ihr Enkel ihr seinerseits verzeihen.

Es ist ein wunderbarer, anrührender Film geworden,voller Ehrlichkeit, Humor und Bewunderung für Mamacitá, diese despotische, rechthaberische, keine Kritik vertragende - und gleichzeitig so verletzliche Grande Dame.
Eine Szene zum Schluß hin hat mich besonders berührt: Mamacitá sehen wir die ganze Doku über, ihrem eigenen Anspruch gemäß, auch im Alter gepflegt zu sein, nur in teurer Kleidung, die Haare wohlonduliert, Lippenstift und überlange künstliche Fingernägel. In dieser Einstellung aber ist sie ganz schlicht gekleidet, die Haare glatt und kein Lippenstift. Einfach eine alte Frau, die nun ihren Schutzpanzer ablegen kann.
Im Herbst erscheint Mamacitá regulär in den Kinos und ich kann mir durchaus vorstellen, mir den Film nochmals anzuschauen.

Matar a Jesús (Spielfilm Kolumbien)
(Killing Jesus)
spanische OP mit englischem Untertitel
Regie: Laura Mora Ortega

Die junge Studentin Paula wird Augenzeuge des Mordes an ihrem Vater. Von einem der beiden Mörder kann sie das Gesicht erkennen und fasst den festen Entschluß, ihn zu töten. Auf der Suche nach ihm entdeckt sie ihn schließlich in einer Discothek. Sie erschleicht sich sein Vertrauen und da er nicht weiß, wer sie ist, gilt sie für ihn, seine Freunde und Familie bald als seine Freundin. Beide treffen sich oft und je öfter sie ihn sieht und mehr über ihn erfährt, desto schwerer fällt es ihr, ihn zu töten.
Als sie zum furiosen Schluß hin die beste Gelegenheit dazu hat, ja, Jesús sie sogar anfleht, ihn zu töten, nachdem er nun weiß, wer sie ist, sie aber liebt und schließlich den Mord gesteht, da schafft es Paula nicht, ihn zu töten. Sie geht davon und lässt ihn in all seiner Verzweiflung zurück.

Es gibt einige Filme, in denen man als Zuschauer sogar eine gewisse Sympathie für den Täter empfindet. Hier ist es genauso: Laura Mora Ortega ist es wunderbar gelungen aufzuzeigen, dass niemand von seinem Charakter her nur eindimensional ist, auch nicht ein Mörder. Ein spannender, toller Film, den ich mir ohne Zögern nochmals anschauen würde.

El Comienzo del Tiempo (Spielfilm Mexiko)
(The Beginning of Time)
spanische OP mit englischem Untertitel
Regie/Drehbuch: Bernardo Arellano

Für Antonio und Bertha, ein 80jähriges Ehepaar, ändert sich ihr Leben drastisch, als der Staat ihre Pension nicht mehr ausbezahlt. Nach mehreren gescheiterten Versuchen, zu Geld zu kommen, bieten sie schließlich in einem Einkaufswagen Street Food an.
Durch reinen Zufall treffen sie auf ihren Sohn, der sich jahrelang nicht hatte blicken lassen, sowie ihren (erwachsenen) Enkel Paco. Der Sohn verspricht, sich fortan um die beiden zu kümmern, verschwindet aber und taucht nicht mehr auf. Paco lässt er bei den Großeltern, die ihren antriebslosen Enkel mit verklärtem Blick sehen. 

Der Inhaltsangabe im Booklet nach wird sich das Leben von Antonio und Bertha schlagartig ändern, wenn Sohn und Enkel in ihr Leben treten. Ich empfand es keineswegs so, denn der Sohn verschwindet auf Nimmerwiedersehen und Paco ist egoistisch, faul und lässt sich von vorn und hinten von seinen Großeltern bedienen. Selbst, als Paco zum Schluß hin Arbeit findet, versöhnte mich das nicht. Während ich immerhin Mitleid mit dem alten Ehepaar empfand und mich über das Verhalten des Enkels geärgert habe, fand mein Sohn den Film einfach nur langweilig (ja, das darf ich schreiben, ich habe seine Erlaubnis).

Cenizas (Spielfilm Ecuador)
(Ashes)
spanische OF mit englischen Untertiteln
Regie/Drehbuch: Juan Sebastián Jácome

Der Vulkan Cotopaxi droht auszubrechen und aus ihrer Angst und Einsamkeit heraus, wendet sich Caridad an ihren Vater, zu dem sie jahrelang keinen Kontakt hatte. Der Vater verließ die Familie im Unguten und lebt nun mit einer anderen Frau zusammen.

Dieser Film erzählt von einer komplizierten Vater-Tochter-Beziehung, von unklaren Schuldzuweisungen an den Vater, von Annäherung und Ablehnung.
Diego Naranjo spielt den Vater großartig, allein seine Augen spiegeln all seine Empfindungen wider, man könnte ihm stundenlang zuschauen. Faszinierend fand ich auch, dass permanent Asche vom Vulkan herabrieselte und wie die Bewohner darauf reagierten: Sie klopften sich einfach die Asche von der Kleidung und lebten völlig gelassen ihren Alltag weiter.

Cocote (Spielfilm Dominikanische Republik)
spanische OF mit deutschen Untertiteln
Regie: Nelson Carlo De Los Santos Arias

Alberto arbeitet als Gärtner in Santo Domingo bei einer wohlhabenden Familie. Als er vom Tod seines Vaters erfährt, reist er in sein Heimatdorf, um an der 9tägigen Trauerzeremonie teilzunehmen. 
Es stellt sich heraus, dass sein Vater von einem Dorfbewohner getötet wurde und die Familie erwartet von Alberto Rache für dieses Verbrechen.

Hier geht es um alte Traditionen, verändertes Denken und letztendlichen Zwängen - Alberto übt gegen seine Überzeugung die geforderte Rache aus. An sich ein hochspannendes Thema, aber für mich miserabel umgesetzt. Es ist sehr schwer, die endlosen Wiederholungen des Trauerrituals auszuhalten und die Kameraführung ist oft merkwürdig und nicht nachvollziehbar. Ich habe mich sehr gelangweilt - obwohl ich anfangs offen für das Thema war - und hatte nur den einen Wunsch, der Film möge aufhören !
Der Produzent, Lukas Valenta Rinner, war zu Gast und erzählte anschließend viel Interessantes über den Film - und ich dachte: Von welchem Film spricht er eigentlich ???

Viaje (Spielfilm Costa Rica)
spanische OF mit englischen Untertiteln
Regie/Drehbuch: Paz Fábrega

Luciana und Pedro lernen sich auf einer Kostümparty kennen und beschließen, Zeit miteinander zu verbringen. Als Pedro für seine Biologie-Doktorarbeit nach Ricón de la Vieja aufbrechen muss, begleitet ihn Luciana spontan. Die beiden verleben einige intensive Tage im Nationalpark, um sich dann aber wieder zu trennen.

Ein absolut zauberhafter, leichter Film, getragen von den beiden liebenswerten Darstellern, der uns zeigt, wie schön es sein kann, einfach nur mal im Hier und Jetzt zu leben.
Ein Nachtrag: Luciana ist diejenige, die zurückkehrt, während Paco noch bleibt. Das verlangt doch nach einer Fortsetzung, oder ???

Distancias cortas (Spielfilm Mexiko)
(Walking Distance)
spanische OF mit deutschen Untertiteln
Regie: Alejandro Guzmán Alvarez

Fede wiegt 200 Kilo und lebt in einer abbruchreifen Wohnung, die er so gut wie nie verlässt. Seine Einsamkeit wird nur unterbrochen durch gelegentliche Besuche seiner ewig nörgelnden Schwester und seinem zu allem jasagenden Schwager. Eines Tages findet Fede eine alte Filmrolle und beschließt, den Film entwickeln zu lassen. Im Fotoladen trifft er auf den jungen Verkäufer Paulo. Zwischen den beiden und Fedes Schwager, der endlich Rückrat zeigt, entsteht nach und nach eine tiefe Freundschaft, die Fedes Leben verändert.

Mich hat dieser Film sehr berührt: Dieser dicke, dicke, einsame Mann, der sich keinen seiner Träume aufgrund seines extremen Gewichtes erfüllen kann und dabei doch so sympathisch ist. Die Szene, als er sich zu einer Reise entschließt und im Reisebüro mit fadenscheinigen Ausflüchten am Buchen gehindert wird, ist kaum auszuhalten. Diskriminierung pur. Und schon, als wir sehen, wie sich dieser schwere Mann mühsam zum Fotogeschäft schleppt, lässt mich den Atem anhalten.
Aber es gibt auch viel zu lachen in diesem Film, nachdem er, Paulo und sein Schwager Freunde geworden sind. Das Publikum geht voll mit dem Film mit und ich gehe es auch.
Der Regisseur präsentiert uns ein herzerwärmendes, liebevolles Märchen, jawohl, ein Märchen. Aber hat nicht jeder von uns schon mal erfahren, was Freundschaft bewirken kann ?
Ich wünsche mir diesen Film in die Kinos - und auf DVD (ebenso Mamacitá und Matar a Jesús) !

Jeder Film erzählt eine eigene Geschichte und es war ein besonderes Erlebnis, diese Filme anzuschauen (auch wenn mir/uns Cocote so gar nicht gefiel - dabei wurde der Film auf Festivals mit Preisen überhäuft - wer irrt da?), alleine deshalb, da sie kaum bei uns zu sehen sind und wir sehr wenig bis gar nichts über das Filmschaffen in diesen Ländern wissen. Wir freuen uns schon jetzt auf das 14. Lateinamerikanische Filmfestival in zwei Jahren !

Nachtrag: Yuli konnten wir uns aus zeitlichen Gründen leider nicht anschauen, der Film läuft aber glücklicherweise noch im Das Kino! Und: Die Beiträge meines Sohnes zum 13. Lateinamerikanischen Filmfestival finden sich unter: www.wilsonsdachboden.com