Mittwoch, 29. April 2020

Frei nach Loriot: Ein Buch ! Ein Buch !


Der Titel ist - wenn auch nur eine geringfügige - Untertreibung,  denn ich möchte vier sehr unterschiedliche Bücher, die in letzten Zeit zu meiner Sammlung hinzukamen, vorstellen. Wir haben jetzt mehr Lockerungen, aber nach wie vor die Corona-Krise und daheim bleiben ist immer noch eine gute Option! Und uns verbleibt Muße zum Lesen....


Mein Sohn war Anfang des Jahres in Amerika und hat mir Dropped Names von Frank Langella mitgebracht, da er weiß, wie sehr ich diesen Schauspieler mag. Ich habe Frank Langella - leider - erst sehr spät entdeckt, und zwar in dem Film Frost/Nixon. Wie dieser Mann mit seinen Augen eine ganze Skala von Empfindungen ausdrückt - ich wurde sofort sein Fan ! Geboren wurde Langella 1938 in Bayonne, New Jersey, und hat eine lange Schauspielkarriere. In seinem Buch erzählt er von Begegnungen mit (65) berühmten Menschen.
Seine erste Begegnung war die mit Marilyn Monroe: Er ist fünfzehn Jahre alt und fährt heimlich nach New York. Dafür hat er lange gespart und ihm bleibt nur ein Tag. In New York wandert er den Times Square entlang, ohne zu wissen, wonach er sucht. Spät am Nachmittag macht er sich tief enttäuscht auf den Rückweg zum Flughafen. Plötzlich kommt aus einer Seitenstraße eine schwarze Limousine auf ihn zu und ihr entsteigt Marilyn Monroe.  Sie sieht ihn dort stehen, blickt ihn an und sagt mit sanftem Flüstern "Hi". Dieses "Hi" befreit ihn von dem Gefühl, nichtssagend und in seinem kleinen Heimatort wie in einem Gefängnis zu sein. "One was enough. Lightning had struck."

Billie Burke verbrachte die letzten Jahre ihrer Karriere damit, die Schulden ihres Ehemannes Florenz Ziegfeld zu begleichen. So stand sie 1956 mit zweiundsiebzig Jahren in der Komödie The Solid Gold Cadillac auf der Bühne und Frank Langella ergatterte zwei kleine Rollen. Die erste Rolle war die eines Reporters, der eine Kamera hält. Seine zweite bestand darin, Billie Burke beim Schlußapplaus als Solid Gold Chauffeur auf die Bühne zu begleiten und sich dann hinter den Vorhang zurückzuziehen. Alles an ihm war golden, selbst sein Gesicht. Von Vorstellung zu Vorstellung wurde sein Rückzug kürzer und bei der allerletzten Vorstellung, während das Publikum enthusiastisch applaudierte, blieb er einfach neben Billie Burke stehen, nahm ihre Hand und führte sie dann von der Bühne. Sie drehte sich zu ihm um, schaute ihn an und sagte:  "Mustn´t be greedy, dear. Your time will come."
Ich liebe dieses Buch sehr, lese mit Genuss die Episoden und bin berührt davon, wie Langalla seine Begegnungen beschreibt: da gibt es herzerwärmende, traurige, lustige, kritische, ablehnende - und
immer ist er selbstironisch.
(Das Buch gibt es auch bei uns zu kaufen)


Mit Freefall ist Jessica Barry ein bemerkenswert aussergewöhnlicher Debütroman gelungen:

Die dreißigjährige Ally überlebt einen Flugzeugabsturz in den Rocky Mountains. Völlig alleine kämpft sie sich durch unwegsames, menschenfeindliches Gebiet. Sie wird jedoch verfolgt von jemandem, der ihr nichts Gutes will.
Allys Mutter erhält die Nachricht, dass ihre Tochter tot ist, die Leiche aber nicht gefunden wurde. Das lässt sie hoffen, dass ihre Tochter noch lebt. Da sie seit Jahren keinen Kontakt zu ihr hatte, versucht sie, alles über Ally in dieser Zeit des Schweigens herauszufinden. Aber nichts davon, was sie erfährt, gefällt ihr...
 Ich verspreche mit diesem Thriller atemlose Spannung, man muss immer weiter und weiter lesen - ein echter Pageturner !




Achtung !! Dieses Buch hat Sogwirkung !!

Bei dem Versuch einer Inhaltsangabe stelle ich fest, dass sich die Vielschichtigkeit dieses Buches
sehr schwer wiedergeben lässt. Deshalb übernehme ich zunächst den Klappentext:
"Der junge Arzt Norton Perina kehrt mit einer unfassbaren Entdeckung von der Insel Ivu´ivu zurück: Hat er wirklich ein Mittel gegen die Sterblichkeit gefunden? Eine uralte Schildkrötenart soll das Geheimnis des ewigen Lebens in sich tragen.
So kometenhaft Perina damit zur Spitze der Wissenschaft aufsteigt, so rasant vollzieht sich die Kolonisierung und Zerstörung der Insel. Mit gnadenloser Verführungskraft zieht Hanya Yanagihara uns hinein in den Forscherrausch im Urwald und lässt uns auch dann nicht entkommen, als Perina dort eine weitere Entdeckung macht: seine fatale Liebe zu Kindern. Wie betrachten wir eine Lebensleistung, wenn sich das Genie als Monster entpuppt? Das ist die Frage in diesem brillant geschriebenen, gefährlichen Dschungel von einem Roman."

Damit ist eigentlich alles gesagt, aber doch zu wenig, was die Faszination dieses Romans ausmacht: Es geht um ein Geflecht von Forschergeist, Anthropologie, Grausamkeiten im Namen der Wissenschaft, Jagd nach Ruhm, menschlichem Fehlverhalten, Freundschaft, Feindschaft und unangemessener Liebe.

Zu erwähnen ist noch, dass das Buch viele Fußnoten enthält und man oft in Versuchung ist, das Angegebene zu überprüfen. Hier ein ganz kurzes Beispiel:
S. 139, 25 Die Opa´ivu`eke ist bis heute die einzige verzeichnete Schildkröte, die dauerhaft sowohl in Süß- als auch in Salzwasser leben kann.



Ich habe schon einmal erwähnt, dass ich zwischendurch auch gerne gelegentlich Jugendbücher lese und so schaue ich in den Buchhandlungen auch immer über das Angebot an Jugendliteratur hin. Tausend Mal Schon von Marah Woolf ist mir durch die Aufmachung aufgefallen: lila Seitenkanten mit Libellen




Die Geschichte: Die achtzehnjährige Sasha stammt aus einer Magierfamilie, will aber ihre Gabe nicht annehmen. Als sie nach dem Tod ihrer Eltern zur Großmutter auf die abgeschiedene Insel Alderney kommt, ist das zunächst auch ganz einfach. Doch dann tritt Cedric de Gray in ihr Leben. Er rettet sie vor dem Ertrinken und vor dem Seelenfänger Lazarus Rimmon, der es durch viele Leben hindurch auf ihre Seele abgesehen hat. Für Cedric ist es sein tausendstes und als Verfluchter letztes Leben. Sasha verliebt sich in ihn und sucht verzweifelt nach einem Weg, seine Seele und damit ihn zu retten. Dafür muss sie jedoch ihre magische Begabung annehmen.
Aber gelingt es ihr? Nur so viel sei verraten, das Ende ruft nach einer Fortsetzung.

Das Buch ist eine Mischung aus Mysterie, Phantasie, Liebesgeschichte und Krimi. Es liest sich leicht wie Urlaubslektüre, aber wenn man genauer hinschaut, lässt sich einiges aus dem Magischen lösen und in das reale Leben übertragen: beispielsweise, indem man Lazarus als faustisches Element sieht.





Eigentlich ist meine Zeit, als ich Hesse mit Hingabe las, schon länger vorbei. Aber in Tausend Mal Schon ist vorab ein wunderbares Gedicht von Hesse aus eben diesem Band  Das Lied des Lebens. Ich besitze einige Gedichtbände und schreibe ja selbst gelegentlich Gedichte, so kaufte ich mir das Bändchen. Nun lese ich Gedicht für Gedicht und lasse jedes nachhallen. Und wenn ich weiß, ich muss irgendwo warten, ist das Büchlein in meiner Handtasche. Hier ein kurzes Gedicht von Hesse, passend zur Jahreszeit:

Frühling
In dämmrigen Grüften
Träumte ich lang
Von deinen Bäumen und blauen Lüften,
Von deinem Duft und Vogelgesang

Nun liegst du erschlossen
In Gleiß und Zier
Von Licht übergossen
Wie ein Wunder vor mir.

Du kennst mich wieder,
Du lockst mich zart
Es zittert durch alle Glieder
Deine selige Gegenwart
 



Für mich gehören zu  Büchern Lesezeichen, denn ein Eselsohr als Markierung käme niemals in Frage. Ich sammle sie mit Hingabe - hier eine kleine Auswahl.
Auf der Rückseite eines Lesezeichens steht "Lieblingsbuch"


Ich habe viele Bücher, die ich sehr mag (bis hin zu zweimal gelesen), aber dieses Lesezeichen gehört eindeutig in mein unbestrittenes Lieblingsbuch  Die Kalifornische Sinfonie von Gwen Bristow. Dieses Buch besitze ich schon seit rund fünfzig ! Jahren und ich habe es schätzungsweise bereits fünfundzwanzig Mal gelesen. Manchmal von Anfang bis Ende, manchmal ab einer bestimmten Stelle.

Passt weiterhin gut auf euch auf, bleibt achtsam - und vor allem gesund!







Sonntag, 5. April 2020

Ich bin wieder da....

...nach fast einem Jahr Schweigen....
Zunächst war 2019 angefüllt mit Tiefpunkten: in München starb im Frühjahr eine liebe Freundin nach zwei Jahren Kampf an Krebs. Diese Freundin war der großherzigste Mensch, den ich kenne. Selbst als es ihr immer schlechter ging, kümmerte sie sich noch um andere. Ich denke oft an sie und vermisse sie.
Nach ihrem Tod brauchte ein mir sehr, sehr nahestehender Mensch, der durch den Verlust direkt betroffen war, meinen Beistand, den ich ihm selbstverständlich von Herzen gerne gab.
Im Herbst erwischte mich eine starke Erkältung und ich hatte über einen langen Zeitraum hin scheußliche Hustenanfälle. Glücklicherweise sind sie inzwischen verschwunden.
In der zweiten Jahreshälfte gab es aber auch Höhepunkte: im Oktober wieder hier Jazz & The City

Cover des Booklets
  und mein Sohn, seine Freundin und ich (immer noch mit Hustenanfällen und ausgerüstet mit diversen Sprays, Hustenbonbons und Trinkflasche)  hörten uns viele großartige Konzerte an verschiedenen Spielorten an. Ein besonderer Spielort war die Werkstatt des Schirmmachers (ja, es gibt wirklich hier in Salzburg einen Schirmmacher) in der Getreidegasse.

Foto aus dem Booklet


Und im November Herbie Hancock im Gasteig in München. Die Karten für meine Tochter, meinen Sohn und mich waren längst gekauft und man denkt, bis November ist es noch so lange hin, hoffentlich kommt nichts dazwischen und auf einmal - zack - ist es soweit. Zu dem Konzert lässt sich nichts anderes sagen als: großartig, großartig, großartig !



An Silvester hat sich wohl jeder gewünscht, dass 2020 ein gutes Jahr wird. Für uns ließ es sich auch zunächst gut an, denn das Corona-Virus im fernen China schien weit weg und es war unvorstellbar, dass es nach Europa schwappen könnte.
Anfang Januar waren mein Sohn und ich noch ohne jede Bedenken zum Shoppen in München und in der ersten Märzwoche erneut, aber schon vor- und umsichtiger. Shoppen bedeutet für uns übrigens: CDs, Filme, Bücher, also Müller im Tal, Hugendubel am Marienplatz und Saturn in der Kaufinger Straße.
Zuvor hatten wir uns im Das Kino in der Matinee die Doku über Miles Davis angeschaut und als wir in München waren, konnte ich nicht widerstehen, mir die LP mit seiner Musik zu dem Film "Fahrstuhl zum Schafott" zu kaufen.

Foto aus Kinoprogramm

Cover der LP

Kurz danach änderte sich alles, denn das Corona-Virus breitete sich rasant aus, erreichte Europa und hält inzwischen die ganze Welt in eisernem Griff. Was das bedeutet, brauche ich nicht auszuführen, wir alle wissen durch die Medien Bescheid. Es ist vernünftig, sich an die von der Regierung erlassenen Vorschriften zu halten, auch wenn es nicht in jedem Punkt leicht fällt. Am schwersten ist, dass wir uns nicht mit unseren Lieben und Freunden treffen können, aber wir haben die Möglichkeit, über Handy und Computer Kontakt zu halten. Ich verbringe meine Tage daheim (abgesehen von den häuslichen Pflichten) mit Briefe schreiben (mit der Hand, da mein Drucker streikt), Musik hören, telefonieren, skypen, Kreuzworträtsel lösen, mein eingerostetes Englisch aufzubessern und natürlich lesen (ich bin ja eine Leseratte). Zudem hat mich letzte Woche eine Freundin angerufen und überredet, unseren ganz privaten, aber vor längerem abgebrochenen, Lateinkurs wieder aufzunehmen.
Erwähnen möchte ich noch, dass ich von mehreren, unerwarteten Seiten Hilfsangebote für Erledigungen bekommen habe. Auch wenn ich diese Angebote nicht annehme - ich könnte es mir nie verzeihen, dass sich diese Personen infizieren, weil sie mir helfen wollten - war es eine wunderbare Erfahrung!
Es ist eine schwierige Zeit für uns alle, aber lasst uns die Hoffnung nicht aufgeben, dass diese tiefe Krise vorbei geht und die Menschheit nicht wieder dieselben Fehler macht wie vorher. Passt auf euch auf, seid zuversichtlich, seid stark und bleibt gesund!

Donnerstag, 23. Mai 2019

Flohmarkt von Amnesty International

Wie jedes Jahr im Frühling fand auch diesmal am vergangenen Samstag der Flohmarkt von Amnesty unter den Arcaden beim Furtwänglerpark statt. Angeboten werden stets Bücher, Schallplatten, CDs und DVDs zu fairen Preisen.


Und wie jedes Jahr ging ich, zusammen mit meinem Sohn, schauen, stöbern - und natürlich kaufen. Vorsorglich hatte ich zwei Stoffbeutel eingesteckt (ich kenne mich!), die auch zum Schluß prall gefüllt waren.

Hier meine "Beute": Lesestoff und Musik für jede Stimmung








 








Flohmärkte sind etwas Wunderbares! Diesmal war ich ganz begeistert über den Fund des Buches von Pietro Citati "Schön und verdammt - Ein biographischer Essay über Zelda und F. Scott Fitzgerald" und die Box mit zwei Langspielplatten von Joseph Schmidt. Ich bin jetzt schon gespannt, welche Schätze ich bei meinem nächsten Flohmarktbesuch entdecken werde.......

Mittwoch, 1. Mai 2019

Fortsetzung Schreibwerkstatt

Wir bekamen inzwischen weitere, spannende Aufgaben gestellt:

Aufgabe: Ein Text ohne Nomen
 "Komm, lass uns spazieren gehen", sage ich zu dir und du zeigst mir, dass du dich freust. Erwartungsvoll blickst du mich an. "Warte, warte!" Ich überprüfe rasch, ob ich alles bei mir habe - nichts vergessen? Dann gehen wir los. Zuerst halte ich dich fest, damit du nicht überfahren wirst. Als grau zu grün wechselt, lasse ich dich los. Begeistert läufst du hierhin und dahin, unermüdlich, findest heraus, wer vor dir schon da gewesen ist. Zwischendurch erledigst du, was du erledigen musst und ich erledige daraufhin, was ich erledigen muss. Wir gehen und gehen und du genießt es, so frei zu sein. Schließlich ruhen wir uns aus, blau über uns, braun und ganz viel grün um uns herum.
"Wollen wir heimgehen?" frage ich dich irgendwann und du bist einverstanden, denn du weißt, morgen werde ich wieder zu dir sagen "Komm, lass uns spazieren gehen."

Nächste Aufgabe: Ein Text nur aus Wörtern mit Doppelbuchstaben
Hummel Emma sammelt Narzissen,
Libelle Antonella schwirrt ziellos,
Kaulquappen Otto, Johannes, Susanne schwappen Wasser,
Mutter Natter Kassandra brummelt: Kuddelmuddel !

Die aktuelle Aufgabe: Ein Text ohne Verben
 Mein Balkon, wie ein zusätzliches , wenn auch kleines Zimmer, Ostseite, Loggia mit einer Mittelsäule und schmaler Brüstung aus Marmor. Ein Wohlfühlort, nicht nur für mich, sondern auch für meine drei Katzen: Tommy Lee, Maya und Yukina. Vor mir, außen an der Hauswand, zwei Balkonkästen, jetzt mit bunten Stiefmütterchen, später im Sommer mit leuchtenden Geranien und Weihrauch, im Herbst mit winterharter Heide.
Links Blick zum Gaisberg. Bei schönem Wetter und guter Thermik Dutzende von Gleitschirmfliegern, wie exotische Vögel am blauen Himmel.
Rechts Blick über viele Sträucher und Bäume hinweg zum Monatsschlösschen in Hellbrunn.
Auf meinem Balkon auf der linken Seite zwei bequeme Korbsessel, in der Mitte dazwischen ein sehr altes Nachtschränkchen als Tisch. Darauf ein kleiner Bonsai und Steinbuddha. Neben einem der Sessel auf einem Blumenhocker eine Zwergtanne.
Auf der rechten Seite für die Katzen - überall Katzengitter - zwei Kratztonnen mit Sitzfläche und Kuschelhöhle. Des weiteren ein Tischchen voller Blumen und Kräuter. Unter dem Tischchen eine ausgepolsterte Kiste, der Lieblingsplatz von Tommy Lee. Daneben ein Podest, Lieblingsplatz von Maya. Yukinas Lieblingsplatz hingegen die Kratztonnen, mal die eine, mal die andere.
An der freien Wand, in einer schmalen Nische ein wunderschönes Gemälde einer jungen, begabten Freundin: drei große Schneckenhäuser in verschiedenen Gelb- und Brauntönen.
Letztendlich eine ganz besondere Pflanze, ein knorriger Weinstock im Kübel, vergangene Dekoration in einer Oper und ein Geschenk des Festspielhauses für mich, zur Zeit meiner Arbeit in der Wäscherei während der Sommerfestspiele.

Bei jeder dieser Aufgaben denkt man zuerst "wie soll bloß das gehen ???" So reden wir nicht, so schreiben wir nicht. Aber es geht und ich versichere, dieses andere Denken hat viel Spass gemacht !



 

 

Sonntag, 7. April 2019

Kino ! Kino !

Ein wunderschönes, ausführliches Booklet - meine Inhaltsangaben sind verkürzt wiedergegeben

Im Rahmen des 13. Lateinamerikanischen Filmfestivals vom 20.bis 31. März im Das Kino sahen wir - mein Sohn und ich - uns gemeinsam diese Filme an:

Mamacitá (Doku Mexiko)
spanische OF mit deutschen Untertiteln
Regie: José Pablo Estrada Torrescano (anwesend)

Mamacitá, zum Zeitpunkt der Dreharbeiten 95 Jahre alt, hat in Mexiko als junge Frau ein Schönheitsimperium aufgebaut. Sie wünscht sich nun von ihrem Enkel José Pablo einen Film über ihr Leben. Er erfüllt ihr diese Bitte und wir Zuschauer haben Anteil nicht nur an Mamacitás Alltag, sondern erfahren auch von alten Wunden Mamacitás und ihres Enkels. Zum Ende hin kann sich Mamacitá mit ihrer schwierigen Kindheit aussöhnen und ihr Enkel ihr seinerseits verzeihen.

Es ist ein wunderbarer, anrührender Film geworden,voller Ehrlichkeit, Humor und Bewunderung für Mamacitá, diese despotische, rechthaberische, keine Kritik vertragende - und gleichzeitig so verletzliche Grande Dame.
Eine Szene zum Schluß hin hat mich besonders berührt: Mamacitá sehen wir die ganze Doku über, ihrem eigenen Anspruch gemäß, auch im Alter gepflegt zu sein, nur in teurer Kleidung, die Haare wohlonduliert, Lippenstift und überlange künstliche Fingernägel. In dieser Einstellung aber ist sie ganz schlicht gekleidet, die Haare glatt und kein Lippenstift. Einfach eine alte Frau, die nun ihren Schutzpanzer ablegen kann.
Im Herbst erscheint Mamacitá regulär in den Kinos und ich kann mir durchaus vorstellen, mir den Film nochmals anzuschauen.

Matar a Jesús (Spielfilm Kolumbien)
(Killing Jesus)
spanische OP mit englischem Untertitel
Regie: Laura Mora Ortega

Die junge Studentin Paula wird Augenzeuge des Mordes an ihrem Vater. Von einem der beiden Mörder kann sie das Gesicht erkennen und fasst den festen Entschluß, ihn zu töten. Auf der Suche nach ihm entdeckt sie ihn schließlich in einer Discothek. Sie erschleicht sich sein Vertrauen und da er nicht weiß, wer sie ist, gilt sie für ihn, seine Freunde und Familie bald als seine Freundin. Beide treffen sich oft und je öfter sie ihn sieht und mehr über ihn erfährt, desto schwerer fällt es ihr, ihn zu töten.
Als sie zum furiosen Schluß hin die beste Gelegenheit dazu hat, ja, Jesús sie sogar anfleht, ihn zu töten, nachdem er nun weiß, wer sie ist, sie aber liebt und schließlich den Mord gesteht, da schafft es Paula nicht, ihn zu töten. Sie geht davon und lässt ihn in all seiner Verzweiflung zurück.

Es gibt einige Filme, in denen man als Zuschauer sogar eine gewisse Sympathie für den Täter empfindet. Hier ist es genauso: Laura Mora Ortega ist es wunderbar gelungen aufzuzeigen, dass niemand von seinem Charakter her nur eindimensional ist, auch nicht ein Mörder. Ein spannender, toller Film, den ich mir ohne Zögern nochmals anschauen würde.

El Comienzo del Tiempo (Spielfilm Mexiko)
(The Beginning of Time)
spanische OP mit englischem Untertitel
Regie/Drehbuch: Bernardo Arellano

Für Antonio und Bertha, ein 80jähriges Ehepaar, ändert sich ihr Leben drastisch, als der Staat ihre Pension nicht mehr ausbezahlt. Nach mehreren gescheiterten Versuchen, zu Geld zu kommen, bieten sie schließlich in einem Einkaufswagen Street Food an.
Durch reinen Zufall treffen sie auf ihren Sohn, der sich jahrelang nicht hatte blicken lassen, sowie ihren (erwachsenen) Enkel Paco. Der Sohn verspricht, sich fortan um die beiden zu kümmern, verschwindet aber und taucht nicht mehr auf. Paco lässt er bei den Großeltern, die ihren antriebslosen Enkel mit verklärtem Blick sehen. 

Der Inhaltsangabe im Booklet nach wird sich das Leben von Antonio und Bertha schlagartig ändern, wenn Sohn und Enkel in ihr Leben treten. Ich empfand es keineswegs so, denn der Sohn verschwindet auf Nimmerwiedersehen und Paco ist egoistisch, faul und lässt sich von vorn und hinten von seinen Großeltern bedienen. Selbst, als Paco zum Schluß hin Arbeit findet, versöhnte mich das nicht. Während ich immerhin Mitleid mit dem alten Ehepaar empfand und mich über das Verhalten des Enkels geärgert habe, fand mein Sohn den Film einfach nur langweilig (ja, das darf ich schreiben, ich habe seine Erlaubnis).

Cenizas (Spielfilm Ecuador)
(Ashes)
spanische OF mit englischen Untertiteln
Regie/Drehbuch: Juan Sebastián Jácome

Der Vulkan Cotopaxi droht auszubrechen und aus ihrer Angst und Einsamkeit heraus, wendet sich Caridad an ihren Vater, zu dem sie jahrelang keinen Kontakt hatte. Der Vater verließ die Familie im Unguten und lebt nun mit einer anderen Frau zusammen.

Dieser Film erzählt von einer komplizierten Vater-Tochter-Beziehung, von unklaren Schuldzuweisungen an den Vater, von Annäherung und Ablehnung.
Diego Naranjo spielt den Vater großartig, allein seine Augen spiegeln all seine Empfindungen wider, man könnte ihm stundenlang zuschauen. Faszinierend fand ich auch, dass permanent Asche vom Vulkan herabrieselte und wie die Bewohner darauf reagierten: Sie klopften sich einfach die Asche von der Kleidung und lebten völlig gelassen ihren Alltag weiter.

Cocote (Spielfilm Dominikanische Republik)
spanische OF mit deutschen Untertiteln
Regie: Nelson Carlo De Los Santos Arias

Alberto arbeitet als Gärtner in Santo Domingo bei einer wohlhabenden Familie. Als er vom Tod seines Vaters erfährt, reist er in sein Heimatdorf, um an der 9tägigen Trauerzeremonie teilzunehmen. 
Es stellt sich heraus, dass sein Vater von einem Dorfbewohner getötet wurde und die Familie erwartet von Alberto Rache für dieses Verbrechen.

Hier geht es um alte Traditionen, verändertes Denken und letztendlichen Zwängen - Alberto übt gegen seine Überzeugung die geforderte Rache aus. An sich ein hochspannendes Thema, aber für mich miserabel umgesetzt. Es ist sehr schwer, die endlosen Wiederholungen des Trauerrituals auszuhalten und die Kameraführung ist oft merkwürdig und nicht nachvollziehbar. Ich habe mich sehr gelangweilt - obwohl ich anfangs offen für das Thema war - und hatte nur den einen Wunsch, der Film möge aufhören !
Der Produzent, Lukas Valenta Rinner, war zu Gast und erzählte anschließend viel Interessantes über den Film - und ich dachte: Von welchem Film spricht er eigentlich ???

Viaje (Spielfilm Costa Rica)
spanische OF mit englischen Untertiteln
Regie/Drehbuch: Paz Fábrega

Luciana und Pedro lernen sich auf einer Kostümparty kennen und beschließen, Zeit miteinander zu verbringen. Als Pedro für seine Biologie-Doktorarbeit nach Ricón de la Vieja aufbrechen muss, begleitet ihn Luciana spontan. Die beiden verleben einige intensive Tage im Nationalpark, um sich dann aber wieder zu trennen.

Ein absolut zauberhafter, leichter Film, getragen von den beiden liebenswerten Darstellern, der uns zeigt, wie schön es sein kann, einfach nur mal im Hier und Jetzt zu leben.
Ein Nachtrag: Luciana ist diejenige, die zurückkehrt, während Paco noch bleibt. Das verlangt doch nach einer Fortsetzung, oder ???

Distancias cortas (Spielfilm Mexiko)
(Walking Distance)
spanische OF mit deutschen Untertiteln
Regie: Alejandro Guzmán Alvarez

Fede wiegt 200 Kilo und lebt in einer abbruchreifen Wohnung, die er so gut wie nie verlässt. Seine Einsamkeit wird nur unterbrochen durch gelegentliche Besuche seiner ewig nörgelnden Schwester und seinem zu allem jasagenden Schwager. Eines Tages findet Fede eine alte Filmrolle und beschließt, den Film entwickeln zu lassen. Im Fotoladen trifft er auf den jungen Verkäufer Paulo. Zwischen den beiden und Fedes Schwager, der endlich Rückrat zeigt, entsteht nach und nach eine tiefe Freundschaft, die Fedes Leben verändert.

Mich hat dieser Film sehr berührt: Dieser dicke, dicke, einsame Mann, der sich keinen seiner Träume aufgrund seines extremen Gewichtes erfüllen kann und dabei doch so sympathisch ist. Die Szene, als er sich zu einer Reise entschließt und im Reisebüro mit fadenscheinigen Ausflüchten am Buchen gehindert wird, ist kaum auszuhalten. Diskriminierung pur. Und schon, als wir sehen, wie sich dieser schwere Mann mühsam zum Fotogeschäft schleppt, lässt mich den Atem anhalten.
Aber es gibt auch viel zu lachen in diesem Film, nachdem er, Paulo und sein Schwager Freunde geworden sind. Das Publikum geht voll mit dem Film mit und ich gehe es auch.
Der Regisseur präsentiert uns ein herzerwärmendes, liebevolles Märchen, jawohl, ein Märchen. Aber hat nicht jeder von uns schon mal erfahren, was Freundschaft bewirken kann ?
Ich wünsche mir diesen Film in die Kinos - und auf DVD (ebenso Mamacitá und Matar a Jesús) !

Jeder Film erzählt eine eigene Geschichte und es war ein besonderes Erlebnis, diese Filme anzuschauen (auch wenn mir/uns Cocote so gar nicht gefiel - dabei wurde der Film auf Festivals mit Preisen überhäuft - wer irrt da?), alleine deshalb, da sie kaum bei uns zu sehen sind und wir sehr wenig bis gar nichts über das Filmschaffen in diesen Ländern wissen. Wir freuen uns schon jetzt auf das 14. Lateinamerikanische Filmfestival in zwei Jahren !

Nachtrag: Yuli konnten wir uns aus zeitlichen Gründen leider nicht anschauen, der Film läuft aber glücklicherweise noch im Das Kino! Und: Die Beiträge meines Sohnes zum 13. Lateinamerikanischen Filmfestival finden sich unter: www.wilsonsdachboden.com














Sonntag, 17. März 2019

Schreibwerkstatt

Der Salzburger Senioren- und Pensionistenverband hat ein breit gefächertes Angebot, dazu gehören auch viele Kurse.


Ich habe mich (als Mitglied) diesmal für den Kurs "Schreibwerkstatt" angemeldet, da mich die inhaltliche Konzeption ansprach:


Am 06. März war der 1. Termin und ich gestehe, ich war schon ein wenig nervös, was mich erwartet. Diese Nervosität war, wie sich rasch herausstellte, unnötig, denn unsere Kursleiterin, Sybille Ebner, gelang es von der ersten Minute an, uns mit ihrer sympathischen, herzlichen und lebendigen Art ein gutes Gefühl zu vermitteln - und uns zu motivieren.
Wir einigten uns im Laufe der Stunde auf "Hausaufgaben", damit in der Kursstunde für uns fünfzehn Teilnehmerinnen und Teilnehmer genug Zeit ist, unsere Texte vorzulesen und zu besprechen. Unsere erste Hausaufgabe war, aus folgenden Symbolen der Würfel des Story Cubes eine kurze Geschichte oder ein Gedicht zu schreiben: Trauriger Smiley, Würfel, Sprechblase, Pfeil, Baum, Kompass, Weltkugel, Buchstabe L, Biene

Ich entschied mich für eine Geschichte für Kinder:

"Halt, halt" rief der kleine Drache der fleißigen Biene zu und ließ sich erschöpft auf einem Baumstumpf nieder. Langsam stieß er die Luft aus seinen Nüstern und statt Feuer erschien eine Sprechblase mit einem todtraurigen Smiley in der Mitte (Man muss wissen, dass der kleine Drache zur Gattung "Friedliche Drachen" gehört, die statt Feuer Sprechblasen speien, die wie Würfel aussehen).
"Wir sind schon so weit geflogen", sagte er zu der fleißigen Biene, die ihn umkreiste. "Wirst du denn nie müde?" "Nein", erwiderte die fleißige Biene "ich kann ohne Unterbrechung um die ganze Weltkugel fliegen und ich brauche noch nicht einmal einen Kompass, um heim zu finden".
"Wo sind die wunderschönen Blumen, die du mir versprochen hast?" fragte der kleine Drache.
"Siehst du den alten Baum dort", entgegnete die fleißige Biene "und den Pfeil an seinem Stamm? Dem müssen wir folgen". Sie lächelte dem kleinen Drachen zu "Komm, es ist nicht mehr weit." Seufzend, aber gehorsam erhob sich der kleine Drache und folgte der fleißigen Biene. Sie erreichten bald eine Lichtung im Wald und dort standen wirklich die schönsten Blumen, die er je gesehen hatte. Begeistert klatschte er in seine Pfoten "Wie heißen diese wunderbaren Blumen?"
"Alle Namen fangen mit dem Buchstaben L an" sagte die fleißige Biene und begann eifrig, die Namen aufzuzählen, wobei sie sich auf die jeweilige Blume setzte: "Leucanthenum, Laelia, Lycoris, Lathyrus, Lilium, Lobelia, Lunaria, Lavatera....."
"Genug !" rief der kleine Drache, "Mir schwirrt schon der Kopf!"
"In Ordnung" meinte die fleißige Biene, "dann lass uns hier ein Picknick machen." Sie holte aus ihrem Beutel eine mit Honig gefüllte Wabe, ein Fläschen Nektar und zwei Blütenkelche. Sorgsam teilte sie alles in zwei Hälften und zufrieden genossen sie die Köstlichkeiten, während um den kleinen Drachen und die fleißige Biene herum die Blumen in einer sanften Brise wogten.

(Mir fiel übrigens beim Schreiben auf, dass es sich eigentlich nur um einen Ausschnitt einer Geschichte handeln könnte, es ließe sich daraus von mir ein ganzes Kinderbuch mit zauberhaften Illustrationen (nicht von mir, ich kann nicht malen) machen.

Erwähnen möchte ich noch, dass sich spannenderweise keine unserer Geschichten und Gedichte glichen, obwohl wir alle die selben Symbolvorgaben hatten !



Sonntag, 3. März 2019

100 Jahre Bauhaus

Das Bauhaus wurde 1919 von Walter Gropius (1883-1969) in Weimar mit dem Anspruch gegründet, alle künstlerischen Disziplinen zu vereinen. 1925 siedelte das Bauhaus wegen drastischer staatlicher Kürzungen nach Dessau über. Auf Antrag der NSDAP wurde 1932 der Lehrbetrieb eingestellt und Mies van der Rohe installierte als letzter Direktor in Berlin ein neues Bauhaus, das aber nur bis April 1933 aufgrund der politischen Situation bestand. Neben Walter Gropius und Mies van der Rohe flüchteten viele Lehrer und Schüler ins Ausland. Unter den Lehrern finden sich grosse Namen wie Johannes Itten, Wassily Kandinsky, Paul Klee, Lyonel Feininger , Oskar Schlemmer, Laszlo Moholy-Nagy - um nur einige zu nennen.
Mir selbst ist das Bauhaus ein Begriff, seit ich als junge Frau im Sekretariat der damaligen Staatlichen Werkkunstschule Kassel, deren Direktor Jupp Ernst war, gearbeitet habe (Ich kaufte mir damals einen gerahmten Druck von Lyonel Feininger, dessen Farben und gerade Linien mir so gefielen - die "Marktkirche zu Halle" hängt heute noch bei mir).
Als arte kürzlich einen Bericht über das Bauhaus brachte - noch ehe die ARD den Spielfilm "Lotte im Bauhaus" zeigte), schaute ich ihn mir natürlich an und er rief mein Interesse am Bauhaus wieder wach. Ich lieh mir Bücher aus der Stadtbibliothek und kaufte mir - selbstverständlich ! - auch eigene.

Aus der Stadtbibliothek

Meine eigenen



Es gibt eine Flut von Literatur zum Thema Bauhaus und dieses Jahr erscheinen noch weitere Bücher. Ich habe also nur eine äußerst kleine Auswahl. Es ist aber wahrscheinlich, dass noch das eine oder andere Buch hinzukommen wird, ganz sicher von Richard Sennet "Die offene Stadt".
Man mag sich fragen, weshalb des Bauhauses überhaupt gedacht wird, da es nur vierzehn Jahre bestand. Fakt ist, dass das Bauhaus weltweit ungebrochen hohe Wertschätzung genießt und die innovativen Konzepte wie z.B. die Farblehre von Johannes Itten heute noch an Gestaltungs- und Kunsthochschulen gelehrt werden.
Betrachtet man die Architektur in Salzburg, so verdanken wir die allgegenwärtigen Gebäudekuben Walter Gropius, der den Baustil revolutionierte: seine Häuser waren blockartig, mit Flachdach, viel Glas, Stahl und Beton. Das war absolut avantgardistisch, aber in eine Stadt wie Salzburg passt meiner Meinung nach der "Bauhausstil" nicht hinein. Er ist hier unangebracht und - einfach nur hässlich!